Bischofsernennung Wagner in Linz: Katholische Kirche handelt demokratisch

Am Sonntagabend gab der österreichische Bischof Schwarz, Diözesanbischof von Linz, bekannt, dass der designierte Weihbischof der Diözese, Pfarrer Gerhard Maria Wagner, den Vatikan um Rücknahme seiner Ernennung „im Interesse der Diözese Linz“ gebeten habe.
Im Vorfeld hatte die Ernennung des Weihbischofs für viel Unruhe in der Diözese gesorgt, nachdem der Kandidat aufgrund seiner Pfarrpraxis und verschiedener Äußerungen im Widerspruch zu Erkenntnissen des II. Vatikanischen Konzils und der Botschaft des Neuen Testaments stand.
In einer Aussendung der Erzdiözese Wien heißt es dazu: „Am Sonntagabend, 15. Februar 2009, gab der Diözesanbischof von Linz in einer Erklärung bekannt, dass der designierte Weihbischof, Pfarrer Wagner gebeten habe, folgende Stellungnahme an die Medien zu übermitteln: „Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach Rücksprache mit dem Diözesanbischof zu dem Entschluss gekommen, den Heiligen Vater um Rücknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten“.“
Der Vatikan wird die Rücknahme der Ernennung annehmen.


Was soll denn daran demokratisch sein?
Demokratisch wäre das nur, wenn die Kirsche aufgrund einer Abstimmung iher betroffenen Mitglieder an diese Abstimmung gebunden wäre oder wenn zumindest ihr oberster Kirschenführer demokratisch gewählt worden wäre.
Wenn man nicht abstimmt, weiß man auch nicht, was die Abstimmenden wollen. Zudem handelt ein Diktator auch nicht demokratisch, wenn er sich zufälligerweise im Einklang mit seinem Volk befindet…
Üch
16. Februar, 2009 um 3:47 pm
@Üch
Er handelt dann aber weise, wenn er sich in Übereinstimmung mit dem Volk sieht. Hier ist aber dann genau auch die Gefahr. Durch Propaganda kann die Übereinstimmung mit dem Volk hergestellt werden.
Also gilt es die Wachsamkeit des Volkes zu wecken, damit sich weitere Diktaturen vermeiden lassen. Wer dies versucht sieht sich aber als bald einer unerträglichen Hetzkampagne ausgesetzt, weil die Übernahme der Verantwortung für das eigene Leben doch ziemlich viel Anstrengung und Mut zur Einsamkeit erfordert.
rotegraefin
16. Februar, 2009 um 8:39 pm
Rote Graefin schrieb:
„Er [Anm. der Diktator] handelt dann aber weise, wenn er sich in Übereinstimmung mit dem Volk sieht.“
Ach.
Üch
17. Februar, 2009 um 11:01 am
@Üch
Als „undemokratisch“ erweist sich eine Gemeinschaft, wenn ein vorgeschlagener Funktionsträger gegen den Widerstand der Mitglieder in diese Funktion gelangt. So kritisiert man hierarchisch organisierte Kirchen gerne: „Da wird alles von oben eingesetzt, ohne Rücksicht auf das ‘Volk’.“
Die rk Kirche wird aufgrund ihrer gewählten Organisationsform nie eine „demokratisch legitimierte Organisation im politischen Sinn“ sein, so ist nicht vorstellbar, dass die Papstwahl als öffentliche Wahl durch das Volk ausgeschrieben wird.
Andererseits können auch hierarchische Organisationen „demokratische Elemente“ aufweisen: So wird der Papst durch eine genau definierte Wahl durch die Krdinäle gewählt, annähernd vergleichbar mir der Wahl so mancher Bundespräsidenten. Zurück zu unserem Fall: Wenn die Nominierung eines Funktionsträgers von den Mitgliedern (dazu zählen Gläubige + Laien + geweihte Mitglieder) der Gemeinschaft hinterfragt und abgelehnt wird, und daraufhin diese Nominierung zurückgenommen wird, dann ist das Kirchenvolk im konkreten Fall rechtens und „demokratisch“ behandelt worden. Oder anders ausgedrückt: Hier hat die rk Kirche (das ist per definitionem die Gemeinschaft aller rk Gläubigen)im demokratischen Sinn gehandelt.
PS: Wenn ich jede Überschrift (auch auf dem Brightsblog) „buchstäblich“ auffassen würde…
.kroski
17. Februar, 2009 um 11:40 am
@üch,
Ich bewundere Dein manipulatives Geschick Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen.
rotegraefin
17. Februar, 2009 um 12:35 pm
@kroski
Das Übel unserer Zeit liegt darin, dass wir nichts mehr wörtlich nehmen. So grassiert die Lüge ohne Ende um uns herum.
rotegraefin
17. Februar, 2009 um 12:38 pm
@Kroski: Ihr Demokratieverständnis ist mangelhaft.
Wenn die Macht nicht bei den Mitgliedern liegt, sondern bei den Fuktionsträgern, die keiner Legitimation von Seiten der Mitglieder bedürfen, dann ist das undemokratisch. Sonst hätte die DDR-Regierung ja auch eine demokratische Entscheidung mit der Grenzöffnung getroffen: Hat sie eben nicht.
Die Papstwahl ist nicht annähernd mit der Wahl des Bundespräsidenten vergleichbar, weil dort Leute wählen, die ihre demokratische Legitimation in einer lückenlosen Kette vom Volk ableiten. Das Volk kann das anders organisieren, die Katholiken können es nicht: Anders organisieren kann das nur der Papst – und der wird so demokratisch gewählt wie der oberste Sowjet, in einem kolportierenden System, er setzt die Kardinäle ein und die wählen dann den nächsten Papst. Das mag zwar eine Mehrheitsentscheidung in diesem Gremium sein, mit demokratischer Organisation hat das nichts zu tun.
Ein Beispiel, um das zu belegen: Versuchen Sie mal, eine Partei zu gründen, die so organisiert ist! Die würde sofort mangels demokratischer Organisation verboten werden.
Üch
17. Februar, 2009 um 5:53 pm
Ich verstehe auch gar nicht, warum Sie darum herumreden. Die katholische Kirche ist so organisiert, wie sie organisiert ist – und zwar undemokratisch und autoritär. Das wird doch nicht demokratischer, bloß weil Sie das schönreden.
Üch
17. Februar, 2009 um 5:55 pm
@Üch
Die NSDAP kann locker damit leben, hierarchisch organisiert sein.
Nun aber zu den Religionsgemeinschaften:
Der Vajrayana-Buddhismus ist glücklich mit seiner hierarchischen Struktur (hier redet der Dalai Lama und sonst niemand).
Der Islam ist ohne seine regional-autoritären Strukturen schwer vorstellbar.
Die rk Kirche ist ohne ihre hierarchische Organisation nicht vorstellbar.
Nichts wird hier schön geredet. Bestenfalls unterscheiden wir zwischen einer dem Menschen ‘despotisch’ oder ‘humanistisch’ verpflichteten Autorität.
In dieser Frage hat der 15. Februar 2009 in der bilateralen Kirchenbeziehung Österreich-Vatikan ein sehr humanistisches Faktum erfahren.
.kroski
18. Februar, 2009 um 12:55 am
@kroski,
wer in die Nachfolge Christi eingetreten ist, lässt alle Vorstellungen los und arbeitet an der Erweiterung des Reiches Gottes. Das besagt und dazu verpflichtet uns das Bilderverbot.
Es geht darum das Reich Gottes zu erweitern, dass ja in uns ist. Die Vorstellungen, die wir im Kopf haben verstellen uns nur den Blick für die Realität, dass wir erlöste Menschen sind. Wer etwas anderes glaubt belügt sich selbst. Gott wurde Mensch und damit wir Menschen göttlich und es geschieht nach unserem Glauben. PUNKT
rotegraefin
18. Februar, 2009 um 11:22 am
Kroski schrieb:
„‘humanistisch’ verpflichteten Autorität.“
Der Vatikan ist nichts und niemandem verpflichtet.
Zudem beruft sich der Vatikan doch immer auf die Bibel und die Nachfolge Christi: Da steht aber nichts von einer autoritären Organisation…
Ob der Vatikan so humanistisch bleibt, darf ja bezweifelt werden, denn immerhin rehablitiert er ja eine Bruderschaft, welche die Menschenrechte in Frage stellt: Namentlich die Religions- und Weltanschauungsfreiheit, den Gleichheitsgrundsatz und die Meinungsfreiheit jedenfalls massiv relativiert – so die jüngste Äußerung ihres dt. Vorsitzenden bei der Berner Zeitung.
Üch
18. Februar, 2009 um 3:12 pm