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Theodizee: Sind das Leiden und das Böse überhaupt ein Problem?

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Wozu leiden wir?

Wozu leiden wir?

0815-Anleitungen honoriger Männer und Frauen lassen meine Magensäure in unerträgliche Höhen schiessen, also meide ich dieses Literaturgenre für gewöhnlich. Jedenfalls sah ich beim letzten Besuch bei meinen Eltern ein Buch liegen (Aus heiterem Himmel – Einfälle und Eingebungen für das Leben hier unten von Abtprimas Wolf Notker) und…

…wurde doch ein wenig neugierig (was findet mein Vater so gut daran?).

„Eine Welt ohne Leid und Schmerz ist unbewohnbar“, diese Schlagzeile sprang mir in die Augen, und der betreffende Beitrag beginnt mit Fragen:

Ist Gott taub geworden? Ist Gott ungerecht? Hat er unser Vertrauen überhaupt verdient? Wo war denn Gott bei Krebserkrankungen, Flugzeugabstürzen, Naturkatastrophen, aber auch bei unseren alltäglichen Unfällen? Warum erhört er nicht alle unsere Bitten? Darauf, gesteht Notker, habe er auch keine fertigen Antworten (das macht den ranghöchsten Benediktiner Deutschlands doch ein wenig sympathisch, denke ich).

Es ist eine der ältesten und quälendsten Fragen der Menschheit: Die Liebe Gottes und die Not der Menschen mit ihren Schicksalsschlägen – wie verträgt sich das? Wenn wir wenigstens wüßten, ob Leiden denn irgendeinen Sinn macht, und wenn ja, welchen?

„Wenn ich nach meinem Tod vor Gott stehen werde“, sagte eine verzweifelte Mutter, die bei  einem Zugsunglück zwei Kinder verloren hatte, „dann werde ich ihn zur Rede stellen und eine Erklärung von ihm verlangen!“ Warum also lässt Gott das Leiden zu?

Ich will eine Antwort versuchen, schreibt Notker. Ich glaube, dass eine Welt ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Not unbewohnbar wäre. Nicht auszuhalten. Weshalb? Weil sie eine Welt ohne Mitleid und Erbarmen wäre. Eine Welt, bevölkert von gnadenlosen Egoisten und brutalen Siegertypen.

Denn in dieser Welt wären Mitleid, Rücksicht und Freundlichkeit überflüssig. Nur weil wir täglich unsere Verletzlichkeit erleben, erkennen wir, dass wir aufeinander angewiesen sind. Was uns zu mitfühlenden Menschen macht, ist das Leid, das wir lindern können. Das sind die Notleidenden, denen wir ihr Schicksal leichter machen können. Das ist das Leid, das wir am eigenen Leib erfahren müssen. So paradox es klingt: Nur durch die Begegnung mit dem Leid können wir die wunderbare Eigenschaften entwickeln, die uns und unsere Welt menschlich, also gut und wirklich lebenswert machen.

Was hat Jesus dazu eigentlich gesagt? Gar nichts. Er hat gehandelt. Er hat sein eigenes Leid schweigend auf sich genommen und der Not anderer Menschen abgeholfen, wo er nur konnte. Sein Grundsatz lautete:

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28 ) Die mühselig Beladenen in unserer Welt wären besser daran, wenn wir es alle so machen würden.

Geschrieben von .kroski

1. Februar, 2009 um 9:04 pm

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